Warum ohne Salz? Was Fachgesellschaften für die Beikost empfehlen

Kurz gesagt: Die europäische Fachgesellschaft für Kinderernährung ESPGHAN und das Netzwerk Gesund ins Leben empfehlen, Beikost im ersten Lebensjahr ohne zugesetztes Salz zuzubereiten. Auch die WHO rät, Kindern unter 2 Jahren keine Lebensmittel mit viel Salz zu geben. Begründet wird das vor allem mit dem Geschmack: Was Babys früh kennenlernen, kann ihre späteren Vorlieben beeinflussen, auch für Salziges. Beim Brot lohnt deshalb ein Blick auf die Nährwerttabelle, denn Brot enthält in Deutschland im Mittel rund 1,2 g Salz pro 100 g.

Als unser Sohn Ludwig mit der Beikost anfing, haben wir uns genau diese Frage gestellt: Warum eigentlich ohne Salz, und wer sagt das? Wir haben nachgelesen, was die Fachgesellschaften empfehlen, und fassen es hier für dich zusammen. Mit Quellen, damit du selbst nachschauen kannst.

Was empfehlen Fachgesellschaften zu Salz in der Beikost?

Die großen Fachgesellschaften sind sich einig: Der Beikost soll kein Salz zugesetzt werden. Die Empfehlungen unterscheiden sich im Wortlaut, nicht in der Richtung.

Absender Empfehlung Quelle
ESPGHAN (Europäische Gesellschaft für Kinder-Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung), 2017 „No sugar or salt should be added to complementary foods“: Der Beikost soll weder Zucker noch Salz zugesetzt werden. Positionspapier Complementary Feeding
WHO, Leitlinie zur Beikost, 2023 Kinder unter 2 Jahren sollen keine Lebensmittel mit viel Zucker, Salz und Transfetten bekommen. WHO Guideline for complementary feeding
Netzwerk Gesund ins Leben (Deutschland), Handlungsempfehlungen Bei selbst gekochter Beikost auf die Zugabe von Salz und Zucker verzichten, bei fertigen Produkten einen Zusatz von Salz vermeiden. Abfolge und Auswahl der Beikost

Die ESPGHAN ist die europäische Fachgesellschaft für Kinderernährung. In ihrem Positionspapier zur Beikost (2017) steht die Empfehlung ohne Einschränkung: Salz und Zucker sollen der Beikost nicht zugesetzt werden.

Die WHO hat 2023 eine eigene Leitlinie zur Beikost für Kinder von 6 bis 23 Monaten veröffentlicht. Laut der Loughborough University (2023), die Evidenz für die Leitlinie beigetragen hat, lautet die Empfehlung: Kinder unter 2 Jahren sollen keine Lebensmittel und Getränke mit viel Zucker, Salz und Transfetten bekommen.

In Deutschland gibt das Netzwerk Gesund ins Leben bundesweit abgestimmte Handlungsempfehlungen für das erste Lebensjahr heraus. Für selbst gekochte Beikost heißt es dort: Auf die Zugabe von Salz und Zucker sollte verzichtet werden, „um eine entsprechende Geschmacksprägung zu vermeiden“ (Netzwerk Gesund ins Leben, Stand 2016). Bei fertigen Produkten sollen Eltern solche ohne Zugabe von Salz bevorzugen.

Warum spielt der Geschmack beim Salz eine so große Rolle?

Die Fachgesellschaften begründen den Verzicht auf Salz vor allem mit der frühen Geschmacksprägung. Das Netzwerk Gesund ins Leben schreibt, dass frühe Geschmackserfahrungen spätere Vorlieben beeinflussen können, „zu denen auch süß oder salzig gehören“ (Netzwerk Gesund ins Leben).

Eine viel zitierte Studie dazu kommt vom Monell Chemical Senses Center in den USA. Die Forschenden um Leslie Stein haben bei 61 Babys mit 2 und mit 6 Monaten getestet, wie gern sie Salzlösung trinken (Stein, Cowart, Beauchamp, American Journal of Clinical Nutrition 2012). Das Ergebnis:

  • Babys, die mit 6 Monaten schon stärkehaltige Familienkost wie Brot oder Cracker bekamen, tranken im Test 55 % mehr Salzlösung als Babys ohne diese Kost.
  • Im Vorschulalter leckten diese Kinder häufiger Salz von der Oberfläche von Lebensmitteln.
  • Obst als frühe Familienkost hatte keinen solchen Zusammenhang mit dem Salzgeschmack.

Leslie Stein fasste es so zusammen: „Our findings suggest that early dietary experience influences the preference for salty taste“, frühe Ernährungserfahrungen beeinflussen also die Vorliebe für Salziges (ScienceDaily, 2012). Die Studie ist klein, aber sie wird auch im Positionspapier der ESPGHAN zitiert.

Die ESPGHAN kommt in ihrem Positionspapier (2017) zu einem Ergebnis, das wir als Eltern entlastend finden: Die angeborene Vorliebe von Babys für Süßes und Salziges lässt sich nicht ändern. Eltern können aber die späteren Vorlieben mitgestalten, indem sie Beikost ohne zugesetzten Zucker und ohne zugesetztes Salz anbieten.

Wie viel Salz steckt in Brot?

Brot und Kleingebäck enthalten in Deutschland im Mittel rund 1,2 g Salz pro 100 g. Diesen Wert nennt ein Bericht zum Monitoring des Max Rubner-Instituts (top agrar, 2025). Langfristig werden 1,1 g pro 100 g angepeilt.

Einzelne Brote können deutlich darüber oder darunter liegen. Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart hat 2014 Proben von 70 Broten und Brötchen untersucht: Der Salzgehalt lag im Schnitt bei 1,6 %, also 1,6 g pro 100 g, mit einer Spanne von 1,0 bis 2,9 g (Deutsche Handwerks Zeitung, 2018).

Weil Brot so oft auf dem Tisch steht, ist es eine wichtige Salzquelle. Laut einem Entwurf des Bundesernährungsministeriums auf Basis der Nationalen Verzehrsstudie II trägt Brot anteilig den größten Betrag zur Salzaufnahme in Deutschland bei (Deutsche Handwerks Zeitung, 2018). Salz gehört beim klassischen Brotbacken dazu, für Geschmack und Teig. Für die Beikost ist es trotzdem gut zu wissen, wie viel drinsteckt.

Im Rahmen der Nationalen Reduktions- und Innovationsstrategie hat die Bundesregierung mit dem Bäckerhandwerk vereinbart, Salzspitzen im Brot abzubauen (Bundesregierung, 2018).

Wie viel Salz empfiehlt die WHO für Erwachsene?

Für Erwachsene empfiehlt die WHO weniger als 5 g Salz pro Tag, das ist etwa ein Teelöffel. Tatsächlich liegt die Aufnahme weltweit im Schnitt bei 10,8 g pro Tag, also gut doppelt so hoch (WHO, 2023).

Für den Familientisch heißt das ganz praktisch: Wer für die ganze Familie kocht und erst am Teller würzt, kann die Portion fürs Baby einfach vorher abnehmen.

Worauf kannst du beim Brot für dein Baby achten?

Der schnellste Weg zur Orientierung ist die Nährwerttabelle auf der Verpackung. Diese Schritte helfen dir im Alltag:

  1. Nährwerttabelle lesen: Unter „Salz“ steht, wie viel Gramm in 100 g stecken. So kannst du verschiedene Brote direkt vergleichen.
  2. Zutatenliste lesen: Steht „Salz“ oder „Speisesalz“ in der Zutatenliste, wurde Salz zugesetzt. Die Zutaten stehen nach Menge geordnet, die größte zuerst.
  3. Pro 100 g vergleichen, nicht pro Scheibe: Portionsangaben sind je nach Hersteller unterschiedlich groß. Der Wert pro 100 g ist überall gleich aufgebaut.
  4. Beim Bäcker nachfragen: Bei offener Ware ohne Etikett kannst du fragen, wie viel Salz im Teig ist oder ob es eine Variante ohne Salz gibt.
  5. Selbst backen ohne Salz: Wenn du Zeit hast, kannst du Brot, Fladen oder Brötchen für dein Baby einfach ohne Salz backen.
  6. Aufstriche mitdenken: Auch Butter, Käse oder fertige Aufstriche können Salz enthalten. Für den Beikoststart eignen sich zum Beispiel selbst gemachte Gemüse- oder Obstaufstriche ohne Salz.

Mehr dazu, wie du die Zutatenliste bei Baby-Backwaren liest, findest du in unserem Artikel Zutatenliste bei Baby-Backwaren: 5 Fragen für den Beikoststart. Antworten auf häufige Fragen zu unseren Produkten stehen in unseren FAQ.

Wie passt Lil Lui dazu?

Genau aus dieser Suche nach Brot ohne Salzzusatz für Ludwig ist Lil Lui entstanden. Unsere Backwaren sind fertig gebacken, ohne Salzzusatz und werden in der Familienbäckerei Brothandwerk Escherich handwerklich gebacken. Sie kommen tiefgekühlt zu dir, du backst sie in wenigen Minuten auf und hast immer einen Vorrat im Tiefkühler. Warum wir das machen, erzählen wir auf unserer Seite Unsere Mission.

Wenn du alle vier Sorten kennenlernen möchtest, ist die Probierbox ein guter Start. Unsere Backwaren sind ab 6 Monaten geeignet und enthalten Gluten, Dinkel ist eine Weizenart. Bitte lass dein Kind beim Essen nie unbeaufsichtigt und nicht im Liegen essen.

Häufige Fragen zu Salz in der Beikost

Ab wann darf mein Kind Salz essen?

Im ersten Lebensjahr empfehlen ESPGHAN und das Netzwerk Gesund ins Leben, der Beikost kein Salz zuzusetzen. Die WHO rät, Kindern unter 2 Jahren keine Lebensmittel mit viel Salz zu geben. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit empfiehlt, Speisen für Kleinkinder erst im zweiten Lebensjahr und nur in Maßen zu salzen, dann mit jodiertem Salz (BAG, 2013).

Bekommt mein Baby ohne Salz genug Jod?

Muttermilch ist laut dem Schweizer Bundesamt für Gesundheit die wichtigste Jodquelle für Säuglinge (BAG, 2013). Babys von Müttern mit ausreichender Jodzufuhr bekommen demnach über die Muttermilch genug Jod. Bei Fragen zur Jodversorgung deines Babys ist deine Kinderärztin oder dein Kinderarzt die richtige Ansprechperson.

Woran erkenne ich, wie viel Salz in einem Brot steckt?

Den Salzgehalt eines verpackten Brots findest du in der Nährwerttabelle unter „Salz“, angegeben in Gramm pro 100 g. Ob Salz zugesetzt wurde, zeigt die Zutatenliste. Zur Einordnung: Brot und Kleingebäck enthalten in Deutschland im Mittel rund 1,2 g Salz pro 100 g.

Quellen

Stand: Oktober 2026

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